neferhotepme.v.

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Laserreinigung

Neben mechanischen und chemischen Methoden zur Oberflächenreinigung wurden im Frühjahr 2006 erstmals Versuche zur Laserreinigung in einer altägyptischen Grabkammer durchgeführt. Dadurch konnten die Möglichkeiten und Grenzen der Laserstrahlreinigung für die Grabkammer des Neferhotep evaluiert werden.

Zu Beginn erfolgten Vorversuche in Deutschland in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut für Werkstoff und Strahlentechnik (IWS) Dresden und der Firma Clean-Lasersysteme Herzogenrath/Aachen, wobei unterschiedliche Reinigungslaser miteinander verglichen und deren jeweilige Vor- und Nachteile herausgearbeitet wurden. Aufgrund guter Ergebnisse bei den Vorversuchen und der für einen Transport vorteilhaften kompakten Größe fiel die Wahl auf den portablen "Rucksacklaser" CL 20 Q der Firma Clean-Lasersysteme. Nach der Definition des Reinigungsziels und der Auswertung naturwissenschaftlicher Analysen wurden verschiedene Parameter an Probekörpern und in Testbereichen in der Grabkammer erprobt. Es wurden Reinigungsversuche an undekorierten Wandbereichen, ungefasstem und gefasstem Kalkstein sowie punktuell an Wandmalerei durchgeführt. Dabei überzeugten die Versuche auf den weißgrundigen Flächen sowie in diffizilen Bereichen roter Konturierung und pastosem Ägyptisch Blau. An den dekorierten Steinoberflächen zeigte sich, dass die Laserreinigung in Kombination mit chemischen Reinigungsmethoden die besten Ergebnisse erzielte.

Das Prinzip der Reinigung mit Laser erklärt sich wie folgt:
Der Laserstrahl trifft auf die Oberfläche und wird von der Schmutzschicht, hier dem Ruß, absorbiert. Das bewirkt einen Prozess des Verdampfens der Schmutzschicht bis hin zur Ionisation der abgetragenen Bestandteile, die Laserablation. Die Kunst besteht nun darin, die Laserparameter, das heißt hier insbesondere die Leistungsdichte der Laserimpulse, so einzustellen, dass zwar die Schmutzschicht abgetragen wird, der wertvolle Untergrund aber unangetastet bleibt und ein sogenannter selektiver Abtrag entsteht. Vorteil der Laserreinigung ist, dass es sich um ein optisches Verfahren handelt. Das heißt es findet eine berührungslose Behandlung der teilweise extrem empfindlichen Oberflächen statt.

Das Laserstrahlreinigen findet im restauratorischen Bereich, insbesondere bei der substanzerhaltenden Reinigung von geschädigten Natursteinoberflächen zunehmende Akzeptanz. Neben den Untersuchungen zum Laserstrahlreinigen von Naturstein werden zunehmend auch Versuche an farbig gefassten Oberflächen einbezogen. In diesem komplexen Gebiet bestehen große Wissensdefizite. Die Untersuchungen zu Laserstrahlwechselwirkung mit zahlreichen Pigmenten zeigen immer wieder, dass die vielfältigen Pigment-Bindemittel-Situationen und die komplexen Situationen an den Objekten durch Einflüsse der Alterung und Bewitterung weitgehend ungeklärt sind.

In der Grabkammer des Neferhotep konnten aufgrund der sensibel angesetzten Versuchsreihen mit dem Laser außerordentlich positive Ergebnisse erzielt werden. Es wurde eine weitere Möglichkeit geschaffen, die detailreichen Wandmalereien sowie Bereiche der Hieroglyphen wieder lesbar zu machen bzw. neue Details zu entdecken. Die somit wiedergewonnenen szenischen Darstellungen und Schriftzeichen erlauben neue Wege der kunsthistorischen und epigraphischen Interpretation.
Eine Fortsetzung der bisher erfolgreich verlaufenen Arbeiten beinhaltet u.a. die Intensivierung der Versuche zur Anwendung chemisch/mechanischer Methoden nach einer Laser-Anwendung. Zudem soll mit modifizierten Laserparametern auch an polychromen Wandbereichen die zerstörungsfreie Applikation des Lasers gestestet werden.