neferhotepme.v.

verein zur erhaltung, pflege und erforschung von altägyptischen gräbern in theben


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Das Forschungsprojekt

"Wiederlesbarmachung altägyptischer Darstellungen zu ihrer Interpretation. Entwicklung neuer Methoden zur Oberflächenreinigung repräsentativ am Beispiel der Grabkammer des Neferhotep TT 49 in Theben."

Im Rahmen des von der Gerda-Henkel-Stiftung geförderten Forschungsprojektes soll eine Möglichkeit gefunden werden, die Malereien in den Grabkammern der Nekropole von Theben als bedeutende kulturhistorische Zeugnisse wieder lesbar zu machen. Dabei sollen Texte und Darstellungen repräsentativ in der Grabkammer TT 49 von aufliegendem Ruß, Schmutz und sonstigen belastenden Substanzen zerstörungsfrei gereinigt werden. Chemische und physikalische Methoden sowie moderne Technologien gilt es bezüglich ihrer Möglichkeiten und Grenzen zu untersuchen, zu kombinieren und gegebenenfalls zu modifizieren bzw. weiter zu entwickeln. Dies bildet im weiteren die Basis für eine effiziente Nutzung und Übertragbarkeit der Forschungsergebnisse auf Kunstgüter vergleichbarer Schadensproblematik.

Im Rahmen des Forschungsprojektes konnte erstmals auch die Lasertechnologie in einer Grabkammer in Theben eingesetzt werden. Gerade bei der Reinigung bzw. Freilegung fragiler Untergründe ist eine berührungslose, fein dosierbare und medienfreie Reinigungsmethode von Vorteil.

Bei der Konzeptentwicklung zur Reinigung werden folgende Parameter unter Beachtung der physiko-mechanischen und chemischen Eigenschaften der Malmaterialien und Fremdauflagen variiert:

1. mechanische Verfahren (Skalpell, Wattebausch, Pinsel, Glasfaserreiniger, Radiermittel etc.)
2. chemische Verfahren (Lösemitteln, Komplexbildner etc.)
3. Laserstrahlverfahren
4. Kombination der verschiedenen Verfahren

In einem kreativen Prozess sollen spezifische Methoden für die unterschiedlichen Verschmutzungsproblematiken am Objekt entwickelt und flexibel eingesetzt werden.

Die Reinigung der Wandmalereioberflächen in der Grabkammer war in der Vergangenheit bereits mehrfach Ziel restauratorischer Interventionen, die vor allem von dem Wunsch der Wiederlesbarmachung der Darstellung für die ägyptologische Forschung motiviert waren. Zu diesem Zweck wurden verschiedene Reinigungsmethoden angewendet, die die Lesbarkeit der Inschriften und Darstellungen zwar verbessert, aber durchaus das Kunstwerk durch die Zerstörung der ursprünglichen Oberfläche schädigten. So wurden die weißen Hintergründe stark unter Billigung von Substanzverlust überarbeitet, während figürliche Darstellungen und Schriftzeichen keine Oberflächenreinigung erfuhren. Auf diese Weise wurde eine uneinheitliche Bildwirkung erzielt, in der die Darstellungen scherenschnittartig vor dem weißen Hintergrund stehen. In anderen Bildbereichen mit starker Verrußung wurde rigoros über die empfindlichen Wandmalereioberflächen gewischt. Das Ergebnis ist eine durch Schleier und Schmierfilme völlig verunklärte Bildoberfläche. Weitere Versuche, die Darstellungen wieder erkennbar zu machen, zielten auf den Auftrag von Tiefenlicht erzeugenden harzigen Filmen ab, die die Schmutzschichten transparent machen sollten. All diese Maßnahmen haben teils irreversible Schäden an den jahrtausende alten Malschichten hervorgerufen, wobei der Zweck die Wiederlesbarmachung die angewendeten Mittel und Maßnahmen nicht heiligt.

Inwieweit rechtfertigt das Anliegen, die Malereien und Darstellungen sichtbar zu machen, den restauratorischen Eingriff? Welche Konsequenzen hat eine Reinigung der Oberflächen für den Erhalt des Kunstwerkes? Gehen Gefahren für seine materielle Integrität aus? Diesen Fragen muss sich der Restaurator stellen. Der restauratorische Eingriff steht damit im Spannungsfeld einer Wertediskussion, die im Kontext der Erhaltung kultureller Zeugnisse geführt werden muss. Andererseits verweisen die wiederholten Reinigungsversuche doch auch auf die Tatsache, dass der derzeitige stark verschmutze Zustand der Wandmalerei und Steinpolychromien weder der historischen noch der ästhetischen Authentizität der ursprünglichen Oberflächen entspricht. Insofern wird das Ziel einer Oberflächenreinigung, die bis zur Unkenntlichkeit verschmutzten Malereien, von auflagerndem Fremdmaterial zu befreien durchaus legitim im Hinblick auf einer Wiederherstellung der Rezipierbarkeit ihrer urspünglichen ästhetischen, materiellen und historischen Dimension.

"Die Perspektiven, die die Projektleiterinnen bisher entwickelt haben und die sie bei Fortführung des Projektes sicher noch verfeinern und substanziieren werden, haben in meinen Augen gute Chancen, sich zu einer Art masterplan für die Restaurierung altägyptischer Grabdekoration zu entwickeln - ein solcher ist für das alte Theben, eines der nur sechs world cultural heritage monuments der UNESCO in Ägypten, ein wirkliches Desiderat." Prof. Dr. Daniel Polz, wissenschaftlicher Direktor Deutsches Archäologisches Institut, Kairo 2004